29.04.2007

= Internationaler Buckfast-Bienenkonvent im Kloster Bronnbach

Bronnbacher Dialog: Prof. Dr. Ludwig Armbruster ist rehabilitiert. Der Wissenschaftler und Priester hat viel für die Bienenzucht geleistet.

Bronnbach. Unterstützt vom Bezirksimkerverein Werthbeim fand am Sonntag, den 29. April 2007 der vierte internationale Buckfast-Bienenkonvent im Kloster Bronnbach statt. Höhepunkt des Präsidentschaftgipfeltreffens war der Abschluss der Rehabilitierung von Dr. Ludwig Armbruster, der 1934 auf Grundlage des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums zwangspensioniert worden war. Symbolisiert wurde das Ende der Rehabilitation des Priesters und emsigen Professors mit der Veröffentlichung einer Dokumentation zum Leben und Werk Armbrusters durch Professor Dr. Steffen Rückl von der Humboldt-Universiät zu Berlin.

Nachdem das Fachpublikum schon während des Gedenk-Gottesdienstes in der Klosterkirche einiges über den berühmten Bienenkundler erfahren hatte, informierte Rückle am Nachmittag im Josephsaal ausführlich über die Ergebnisse seiner Nachforschungen. Zunächst erklärte der Professor für ein Kamerateam des SWR, wie er als Dozent der Humboldt-Universität dazu kam, sich mit dem Leben Armbrusters auseinander zu setzen. Vor allem der Vorwurf an die Universitätsleitung, sie würde die eigene Geschichte unzureichend aufarbeiten, habe dabei eine große Rolle gespielt.

Seinen eigentlichen Vortrag begann Rückl mit einer Würdigung des Werks Armbrusters. Die Frage nach der Ursache des Bienensterbens sei heute aktueller denn je. Aber auch die Entwicklung der biologisch-mikroskopischen Honiguntersuchung und die Propagierung der Kombinationszucht seien große Verdienste des 1973 verstorbenen Professors. Dann ging der Redner näher auf die Biographie Armbrusteers ein, die er mit Hilfe von Originaldokumenten illustrierte. Der 1886 im badischen Markdorf geborene Armbruster studierte nach seinem Abitur zunächst Theologie in Freiburg. Diesem Staatsexamen ließ er einen naturwissenschaftlichen Abschluss folgen. Für kurze Zeit betätigte sich Armbruster dann als Gymnasiallehrer. Auch war er als Sanitätssoldat kurz im Einsatz. Wichtiger im Hinblick auf seine spätere Profession sind allerdings sein erstes Forschungsvorhaben zur Bienenzucht in Freiburg und ein weiteres Jahr zoologischen Studiums in Potsdam. 1919 erhielt Armbruster den Auftrag, an der Berliner Universität ein Institut für Bienenkunde aufzubauen und zu leiten. Armbruster war somit erster Lehrstuhlinhaber für Bienenzucht in ganz Europa.

Als ausgesprochener Judenfreund und so vermutete Rückl, auf Grund der Machenschaften karrieresüchtiger Assistenten wurde Armbruster 1934 zwangspensioniert. Abgeschnitten von allen Forschungsmöglichkeiten gab er dennoch weiterhin das „Archiv für Bienenkunde“ heraus. Beruflich betätigte er sich nun als Architekt. Im Jahre 1943 wurde Armbruster aus Berlin evakuiert. Sein neuer Lebensmittelpunkt wurde Lindau am Bodensee. Von dort aus kämpfte Armbruster nach Kriegsende für seine Rehabilitierung, die ihm aus unterschiedlichen Gründen zeitlebens verweigert wurde. Allein als Priester konnte Armbruster ein goldenes Jubiläum feiern, als Wissenschaftler war er beruflich isoliert. Die gesellschaftliche Würdigung mit dem Bundesverdienstkreuz konnte ihn nicht darüber hinwegtrösten.

In seinem Resümee lobte Rückl nochmals die Verdienste des Wissenschaftlers, der als erster die Mendelsche Vererbungslehre auch auf die Bienen angewandt, der mit 419 Publikationen Bienenfleiß gezeigt und der aufrecht seinen Lebensweg beschritten habe. Der Experte betonte, dass sich Armbruster durch sein wissenschaftliches Werk und seine politische Haltung als Namenspatron für ein Institut oder einen Ehrenpreis hervorragend eigne.

Auch die Festredner des Konvents priesen Armbrusters Verdienste. Schirmherr Asger Søgaard Jørgensen, Präsident des internationalen Verbands der Bienenzüchtervereinigungen, „APIMONDIA“, hob zunächst allgemein die Bedeutung deutscher Bienenforschung und praktischer Imkerei hervor. Vor allem aber Armbrusters Züchtungsmethode, die er selber bei dessen Assistent, Bruder Adam, im englischen Buckfast kennen gelernt habe, werde heute in der ganzen Welt angewandt.

Den Worten von Jørgensen folgten die des geistlichen Schirmherrn, Erzbischof Dr. Robert Zollitsch, der sich durch Pater Georg Kallus M.S.F. vertreten ließ. Der Erzbischof lobte vor allem Armbrusters offene Widerstand gegen den Nationalsozialismus, und dass es dem Priester und Bienenkundler gemäß den Worten Bernhards von Clairvaux gelungen sei, Liebe und Lehre zu verbinden.

Oberbürgermeister Stefan Mikulicz, der auch die Grüße seiner Kollegen aus Lindau, Biberach, Würzburg, Schwäbisch Hall, Tauberbischofsheim und Künzelsau überbrachte, freute sich, dass Armbrusters Lebenswerk durch den Festakt in Bronnbach nun doch noch die gebührende Anerkennung finde. Ekkehard Hülsmann, Vorsitzender des Landesverbandes Badischer Imker, betonte ebenso wie der Bischof die Dualität im Leben Armbrusters. Er war sich sicher, dass der Priester Armbruster an dem Konvent hinter Klostermauern große Freude und auch das Taubertal als ideales Imkergebiet zu schätzen gewusst hätte.

Der Vorsitzende der Gemeinschaft der europäischen Buckfastimker, Peter Thießel, würdigte vor allem Armbrusters Publikationen wie die „Bienenkunde“, ohne die es heute die Buckfastbiene wohl nicht geben würde. Zuletzt überbrachte Dezernent Jochen Müssig im Namen des Landrats die besten Wünsche. Er verglich die Höhen und Tiefen des Klosters Bronnbach mit den Hochs und Tiefs der deutschen Geschichte. Zu den Tiefpunkten gehöre auch die NS-Zeit und die damit verbundene Zwangspensionierung Armbrusters. Der damit abgeschlossenen Rehabilitierung Armbrusters schloss sich nach einer Kaffeepause ein Vortrag des ehemaligen Assistenten von Bruder Adam, Peter Donovan, an. Er berichtete über die „Züchtung der Honigbiene in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft“ in der bedeutendsten Klosterimkerei Buckfast (England). Zu Ende ging der Buckfast-Konvent mit einem Konzert in der Klosterkirche, das von Thomas Ungerer (Orgel), Thomas und Andreas Stöhr (Bassposaune / Sprecher) gestaltet wurde.

Programm:
"Abschluss der internationalen Rehabilitierung von Prof. Dr. Ludwig Armbruster - wurde 1934 zwangspensioniert - durch die APIMONDIA und Veröffentlichung der Dokumentation durch die Humboldt-Universität zu Berlin / Prof. Dr. Steffen Rückl"

- Die internationale Rehabilitierung wird aller Voraussicht nach durch das Fernsehen und den Hörfunk begleitet und aufgezeichnet.

Sonntag, 29.04.07 / 10:30 Uhr - 18:00 Uhr
ehemalige Zisterzienserabtei Kloster Bronnbach bei Wertheim (Baden) / Großer Festsaal: "Josephsaal"

Weltliche Schirmherrschaft:
Präsident Mr. Asger Søgaard Jørgensen des Internationalen Verbands der Bienenzüchtervereinigungen APIMONDIA / Rom / ITALIEN

Geistliche Schirmherrschaft:
Hochwürdigste Exzellenz Erzbischof Dr. Robert Zollitsch / Erzdiözese Freiburg im Breisgau / GERMANY

Schirmherrschaft (causa honoris - alljährlich):
Fernsehkoch Johann Lafer / Stromburg / Rheinland Pfalz /GERMANY

Programm: Sonntag, den 29.04.07

Durch das Programm führt und moderiert: 
Jessika Graf / St. Peter unter Mitwirkung des Bezirksimkervereins Wertheim (Baden)

10:30 Uhr Gottesdienst in der Klosterkirche Bronnbach
Pater Georg Kallus M.S.F. (Missionare von der Heiligen Familie)

Im Anschluss des Gottesdienstes ca. ab 11:45 Uhr - 12:30 Uhr Klosterführung durch die ehemalige Zisterzienserabtei Kloster Bronnbach: Prälatenbau - Josephsaal - Bernhardsaal - Kreuzgang - Klosterkirche - Orangerie und Bursariat: Barbara Ernst-Hofmann

13:00 Uhr - Einlass / 13:30 Uhr Beginn

Eröffnung der Schirmherrschaft:
Mr. Asger Søgaard Jørgensen - Präsident der APIMONDIA
Internationaler Verband der Bienenzüchtervereinigungen / Rom - ITALIEN

Ihre Hochwürdigste Exzellenz Erzbischof Dr. Robert Zollitsch
Erzdiözese Freiburg im Breisgau überbracht von Hochwürden Pater Georg Kallus M.S.F. / Bronnbacher
Klosterkonvent der Missionare von der Heiligen Familie - Polnische Provinz

Grußworte:
Manfred Hederer - Präsident des D.B.I.B. / Utting / Bayern
Ekkehard Hülsmann / Vorsitzender des Landesverbandes Badischer Imker / vormals Präsident des Deutschen Imkerbundes D.I.B.
Peter Thießel - 1. Vorsitzender der Gemeinschaft der europäischen Buckfastimker G.d.e.B. / Hitzacker / Niedersachsen
Landrat Reinhard Frank / Main - Tauber - Kreis
Oberbürgermeister Thomas Fettback / Stadt Biberach an der Riß
Oberbürgermeisterin Petra Meier to Bernd-Seidl / Stadt Lindau

und andere aus Kultur, Politik u. Wirtschaft

14:30 - 15:30 Uhr
"Abschluss der internationalen Rehabilitierung von Prof. Dr. Ludwig Armbruster, der 1934 zwangspensioniert wurde = Veröffentlichung der Dokumentation"
Prof. Dr. Steffen Rückl
Humboldt-Universität zu Berlin
Landwirtschaftlich-Gärtnerische Fakultät
Institut für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften des Landbaus

15:30 - 16:00 Uhr
Große Pause: "Catering" von Speisen und Getränken

16:00 - 17:00 Uhr
Thema: "Züchtung der Honigbiene in Vergangenheit - Gegenwart - und Zukunft der renommiertesten und bedeutendsten Klosterimkerei der Welt: Benediktinerabtei Kloster Buckfast / ENGLAND"

Auslandsgäste:
Mr. Peter Donovan und Dom Daniel Smyth O.S.B.
Bee Department of Buckfast Abbey / Devon / Great Britain
Die langjährigen Mitarbeiter Bruder Adams veranschaulichen das Thema anhand eines Dias- und Filmvortrages.

"Danksagung" übermittelt durch Christoph Graf

17:00 - 17:30 Uhr
Einfindung in die Klosterkirche Mariä Himmelfahrt

17:30 Uhr Solo - Abschlusskonzert
Offizium für Bassposaune und Orgel
Solisten: Thomas Ungerer / Orgel und Thomas Stöhr / Bassposaune
Sprecher: Andreas Stöhr

18:00 Uhr Ende des Bienenkonvents

Ehemalige Zisterzienserabtei Kloster Bronnbach:
Im Taubergrund, etwa 10 km südöstlich von Wertheim, liegt die weitläufig fast vollständig erhaltene Anlage des ehemaligen Zisterzienserklosters. 1151 wurde es als Tochterkloster von Maulbronn gegründet und mit Mönchen aus Waldsassen besetzt. Das spitzbogige Tonnengewölbe des Mittelschiffes der 1222 geweihten Kreuzbasilika ist in seiner Art einmalig in Deutschland. An die Südseite der Kirche schließt sich der in vollem Geviert erhaltene Kreuzgang aus dem späten 12. und frühen 13. Jh. an. Der spätromanische Kapitelsaal am Ostflügel beeindruckt mit seinen neun Gewölbefeldern über vier Muschelkalksäulen. 1408 ließ Abt Hildebrand die steinerne Tauberbrücke errichten, die mit 21,7 m und 22,6 m nach der Karlsbrücke in Prag die größten Bogenspannweiten unter den gotischen Brücken Mitteleuropas aufweist.

Die Veranstaltungen des Bienenkonvents sind kostenfrei.